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Projektmanagement im Anlagenbau: Arbeit für mehrere OEM

17. August 2020 | Lesedauer 5 min

Das Projektmanagement im Anlagenbau ist immer eine Herausforderung. Komplexe Maschinen für noch komplexere, voneinander abhängige Prozesse aufzubauen und zu optimieren ist stets ein herausragender Akt der Koordination. Noch einmal deutlich anspruchsvoller wird die Aufgabe, wenn ein Anbieter für mehrere OEM arbeitet. Projektumfang und -inhalt können sich hier deutlich unterscheiden – mit der Folge, dass der Anbieter schlussendlich „zwischen den Stühlen“ landen kann.

Standards, Normen, Audits – Automotive-Lieferanten im Paragraphendschungel

Die Automobil-Produktion von Herstellern ist durch Normen und Standards geregelt. Viele etablierte OEM vertrauen dabei auf die IAFT 16949:2016, die das Qualitätsmanagement regelt. Regelmäßige Audits stellen sicher, dass die entsprechenden Bewertungskriterien erfüllt werden, doch die Art der Umsetzung bleibt den Herstellern überlassen. Dies führt dazu, dass Anbieter für den automobilen Anlagenbau, so sie für mehrere OEM arbeiten, es oft mit konzern- oder herstellerspezifischen Umsetzungen zu tun bekommen.

Eine Folge dieses uneinheitlichen Ansatzes: Für die Erfüllung der gleichen Funktion müssen oft verschiedene Lösungen entwickelt werden. Es greift ein ähnlicher Mechanismus wie bei den Zulieferern für Automobile. Große Hersteller, die in entsprechenden Mengen produzieren, haben es hier unter Umständen leichter. Diese können auf vertraute und bewährte Standardkomponenten mit geringen Änderungen zurückgreifen, während spezialisierte, kleinere Unternehmen, die in Tier 2 oder Tier 3 der Zuliefererkette zu finden sind, individuelle Lösungen entwickeln müssen.

Zulieferergeschäft für Anlagenbau vor neuen Herausforderungen

Mit der zu erwartenden Elektrifizierung des Straßenverkehrs in den nächsten Jahrzehnten gehen auch bei der Produktion große Veränderungen einher. Viele Hersteller sind derzeit damit befasst, in naher Zukunft möglichst günstig und schnell in größeren Mengen Autos mit elektrischem Antrieb herstellen zu können. Dieser Wandel betrifft verschiedene Branchen und Unternehmensabteilungen, wie das für die Umstellung der Produktionslinien zuständige Projektmanagement. Damit ist auch der Anlagenbau betroffen, der die entsprechenden Maschinen herstellt.

Die Produktionslinien sind für den Anlagenbau im Automotive-Bereich dementsprechend ein natürliches Revier. Gleichzeitig spüren sowohl Hersteller als auch Zulieferer die sich verändernden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, wie den nachlassenden Absatz an reinen Verbrennern. Die Folge ist ein Preiskampf zwischen beiden Lagern, der sich durch die Folgen der COVID-19-Pandemie mittelfristig noch verschärfen könnte.

Wie viele OEM ein Lieferant für den Anlagenbau gleichzeitig bedienen kann, lässt sich nicht grundlegend feststellen. Diese Zahl hängt von der Größe des Unternehmens, dem Spezialgebiet und dem Auftragsumfang inklusive der zu erwartenden Aufwendungen für die Entwicklung ab. Auch die Position des Zulieferers in der Wertschöpfungskette ist hier zu beachten. Stellt der Zulieferer Komponenten her, die ein breites Anwendungsspektrum haben, ist er dementsprechend für zahlreiche OEM attraktiv. Am anderen Ende des Spektrums stehen hochspezialisierte Lieferanten, die teilweise sogar durch Exklusivverträge an Hersteller gebunden sein können.

Ebenso interessant ist die Frage, wie den Zulieferern für den Automobil-Anlagenbau die Einstellung auf individuelle Standards der OEM am besten gelingen kann. Dabei geht es auch um Aspekte wie das korrekte, unter Umständen herstellerspezifische Wording. Im Interesse beider Parteien (und des schlussendlichen Ergebnisses) ist es, sich bereits frühzeitig zu diesem Thema auszutauschen und damit späteren Schwierigkeiten vorzubeugen. Auch hier ist eine pauschale Einschätzung daher schwierig.

Fazit: Projektmanagement im Anlagenbau und die Zulieferer

Auf hohem Niveau operierende Zulieferer sind für das Projektmanagement im Automotive-Anlagenbau von zentraler Bedeutung. Diese können für mehrere OEM tätig sein, stehen in diesem Fall jedoch vor speziellen Fragestellungen. So werden beispielsweise geltende Standards durch verschiedene Hersteller unterschiedlich umgesetzt. Daraus ergibt sich eine dynamische Gemengelage in der Zusammenarbeit, die für Zulieferer eine nicht zu unterschätzende Herausforderung darstellt. Die beste Lösung stellt hier womöglich eine möglichst enge Zusammenarbeit dar, durch die wichtige Fragen schnell geklärt werden können. So können sich Zulieferer auf die individuellen Bedürfnisse der OEM einschießen und legen den Grundstein für eine möglichst effektive und reibungslose Zusammenarbeit.

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